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Die Physik ab 1874

Disziplinär geprägte Lehrstühle für Physik wurden an den deutschen Universitäten im Verlaufe des 19. Jahrhunderts eingerichtet, wobei der 1874 in Rostock errichtete Lehrstuhl schon in der Endphase dieses Prozesses angesiedelt ist. Somit ist das Jahr 1874 für die Entwicklung der Physik an der Universität Rostock ein bedeutender Zeitpunkt. Erstmalig in der Geschichte unserer Universität wurde eine eigenständige, von der Chemie und Mathematik unabhängige, Professur für Physik geschaffen. Der erste Ordinarius der Physik, HEINRICH FRIEDRICH LUDWIG MATTHIESSEN (1830-1906), hatte dieses Lehramt über 30 Jahre (1874-1905) inne. LUDWIG MATTHIESSEN betätigte sich auf wissenschaftlichem und organisatorischem Gebiet außerordentlich aktiv. Umfang und Inhalt seiner Forschungstätigkeit waren so mannigfaltig, daß man ihn in vollem Umfang des Wortes als Polyhistor bezeichnen kann. Nicht nur auf dem seinem Lehrauftrag entsprechenden physikalischen Fachgebiet, sondern auch auf mathematischem und medizinischem Gebiet war MATTHIESSEN tätig. So sind sein Beitrag zur klassischen Altertumswissenschaft durch seine Arbeit über das Klima in Athen (1873) ebenso zu nennen wie seine Monographie über die Grundzüge der antiken und modernen Algebra (1878). Für seine Forschungen zum physikalisch-optischen Bau des Auges der Wirbeltiere wurde MATTHIESSEN 1883 von der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich zum Dr. med. h.c. promoviert. In Fortsetzung dieser Untersuchungen nahm LUDWIG MATTHIESSEN im Sommer 1890 an einer Forschungsreise zu verschiedenen Fangstellen von Walen und Robben an der norwegisch-russischen Küste des nördlichen Eismeeres teil. In einer Festschrift zum 70. Geburtstag von HERMANN VON HELMHOLTZ (1891) schrieb LUDWIG MATTHIESSEN über neue Ergebnisse in der physiologischen Optik (Dioptrik).

Die Errichtung eines unabhängigen Lehramtes für Physik führte zur Entwicklung eines eigenständigen Physikalischen Instituts, basierend auf den Sammlungen des Physikalischen Kabinetts, und zur Herausbildung eines umfangreichen Vorlesungszyklus, einschließlich Praktikum, für das Fach Physik. Auf Initiative MATTHIESSENS kam es 1879 zur Gründung eines Mathematisch-Physikalischen Seminars an der Universität Rostock und 1881 zur Herausgabe einer Laboratorien-Ordnung für das physikalische Institut, die 93 Praktikumsaufgaben enthielt. 1885/86 bekleidete MATTHIESSEN das Amt des Rektors der Universität Rostock.

LUDWIG MATTHIESSEN war im Jahre 1830 als Sohn des Lehrers Christian Matthiessen aus Ockholm und Juliane Matthiessen, geb. Hansen, geboren worden. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Eutin schlug der junge MATTHIESSEN nach dem Vorbild seines Vaters die Gymnasiallehrerlaufbahn ein. Er ließ sich 1851 an der Universität Kiel immatrikulieren. MATTHIESSEN studierte an der Philosophischen Fakultät der Kieler Universität die Naturwissenschaften in ihrer vollen Breite, wobei sein besonderes Interesse der Mathematik und Physik galt. Unter seinen akademischen Lehrern ist an erster Stelle der bereits im vorherigen Abschnitt erwähnte GUSTAV KARSTEN (1820-1900) zu nennen. G. KARSTEN, der 1845 zu den Gründern der ,,Physikalischen Gesellschaft in Berlin'' gehörte, folgte im Herbst 1847 einem Ruf an die Universität Kiel. Dort vertrat er die Physik, Mineralogie, Geologie und physikalische Geographie. In Schleswig-Holstein führte er regelmäßige meteorologische Beobachtungen mit Hilfe eines dafür errichteten Netzes von Beobachtungsstationen ein. G. KARSTEN experimentierte, in Zusammenarbeit mit HEINRICH HERTZ, mit elektromagnetischen Wellen. Von 1847 bis 1894 wirkte GUSTAV KARSTEN als vielseitiger und erfolgreicher Forscher an der Universität Kiel, unter dessen Leitung LUDWIG MATTHIESSEN erste wissenschaftliche Arbeiten durchführte. In einer kleinen experimentellen Abhandlung über Reibungselektrizität auf isolierten Leitern schrieb MATTHIESSEN: ,,Die in der vorliegenden Schrift veröffentlichten Beobachtungen sind von mir während des Sommers 1853 und des darauf folgenden Winters im physikalischen Institut der Universität Kiel erstellt worden. Ich fühle mich verpflichtet, hier dem Direktor des Instituts, Herrn Prof. Dr. Karsten, meinen Dank abzustatten für die Bereitwilligkeit, mit welcher derselbe mir die nötigen Apparate und Mittel die Versuche anzustellen zur Verfügung stellte.''

Im Alter von 43 Jahren erhielt LUDWIG MATTHIESSEN 1873 eine Berufung als ordentlicher Professor der Physik an die Universität Rostock, die er zum 1. April 1874 antrat. Während seiner 31jährigen Tätigkeit an der Rostocker Universität (1874-1905) vertrat er das Fachgebiet Physik zum ersten Mal als eigenes Lehrfach, begründete mit bescheidenen Mitteln das Physikalische Institut (im Haus hinter dem Universitätshauptgebäude) und führte in Gemeinschaft mit dem Ordinarius für Mathematik ab 1879 das Mathematisch-Physikalische Seminar durch. Einige Bücher aus dem Bestand des Mathematisch-Physikalischen Seminars der Universität Rostock befinden sich heute im Besitz der Universitätsbibliothek, vorhanden in der Fachbibliothek Physik - darunter eine Reihe von MATTHIESSENS Monographien, so der ,,Grundriß der Dioptrik geschichteter Linsensysteme. Mathematische Einleitung in die Dioptrik des menschlichen Auges'' (Leipzig 1877) und die mit über 1000 Seiten sehr umfangreichen ,,Grundzüge der antiken und modernen Algebra der litteralen Gleichungen'' (Leipzig 1878). Während seiner Rostocker Zeit veröffentlichte MATTHIESSEN über 100 Artikel in verschiedenen Fachzeitschriften, u.a. in SCHLÖMILCHS ,, Zeitschrift für Mathematik und Physik'', in WIEDEMANNS ,,Annalen der Physik und Chemie'' und in PFLÜGERS ,,Archiv für Physiologie''.

Der Ordinarius für Physik hatte außer seiner Lehr- und Forschungstätigkeit umfangreiche administrative Aufgaben zu erfüllen. Er war Direktor des astronomischen Observatoriums der Universität, Konservator der großen Kreisteilmaschine des landesherrlichen Industriefonds, Inspektor des elektrischen Beleuchtungswesens und der Gas- und Wasserversorgung der Universitätsinstitute. Durch viele Nebenämter und Kontrollaufgaben war die Physik - namentlich LUDWIG MATTHIESSEN - eng mit der Stadt Rostock verbunden. Zum 1. April 1905 wurde der 75jährige auf eigenen Wunsch aus Alters- und Krankheitsgründen emeritiert. Er erhielt zu Weihnachten 1905 ein Fotoalbum mit den Bildern aller Mitglieder des Lehrkörpers der Universität in dankbarer Verehrung geschenkt. Die letzten Lebensmonate verbrachte der Emeritus zusammen mit seiner Frau Augusta in Müritz (Ortsteil von Graal-Müritz) in der Nähe Rostocks. Am 14.11.1906 verstarb LUDWIG MATTHIESSEN hochgeehrt in Rostock. Im Nachruf des Rektors unserer Universität vom 16.11.1906 heißt es: ,,Den Herrn Kommilitonen mache ich hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß am Mittwoch, dem 14. November d. J. abends der emeritierte Professor der philosophischen Fakultät Dr.phil.et.med. Ludwig Matthiessen in der Privatabteilung des hiesigen Universitätskrankenhauses nach längerem Leiden verschieden ist. Nachdem der Verstorbene längere Zeit an den Gymnasien in Jever und Husum mit größtem Erfolg gewirkt hat, wurde er 1873 als ordentlicher Professor der Physik nach Rostock gerufen, hat das hiesige physikalische Institut begründet und bis Anfang des vorigen Jahres geleitet. Während dieser außerordentlich langen Zeit hat er eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen veröffentlicht, ja selbst nach seinem Rücktritt vom Lehramt hat er dieser Reihe noch eine weitere vortreffliche Schrift hinzugefügt. Viele Hunderte von Schülern verdanken ihm ihre physikalische Ausbildung. Unter solchen Umständen wird sein Name unter uns und auch in weiteren Kreisen lange fortleben.''

Nach einer kurzen Vakanz (1905/06) des Lehrstuhls für Experimentalphysik trat CONRAD DIETERICI (1858-1929) zum 1. April 1906 sein Amt in Rostock an. Die Bedeutung DIETERICIS für die Entwicklung der Rostocker Physik lag in seinem konsequenten Eintreten für den Neubau des Physikalischen Instituts (jetziges Gebäude des Fachbereiches Physik am Universitätsplatz), das 1910 bezogen werden konnte. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, daß die physikalische Forschung an der Universität Rostock in eine neue Phase eintreten konnte. Die Ära des physikalischen Kabinetts war der Zeit des modernen physikalischen Instituts gewichen, das an der Universität Rostock von 1908 bis 1921 durch ADOLF HEYDWEILLER geleitet wurde. ADOLF HEYDWEILLER (1856-1925) erwarb sich nicht nur bei der Erforschung der mechanischen, thermodynamischen und optischen Eigenschaften der Elektrolyte große Verdienste als fähiger Experimentalphysiker, sondern er verfolgte auch aufmerksam die Entwicklung der Theorie.

Zum 1. April 1922 wurde CHRISTIAN FÜCHTBAUER (1877-1959) zum ordentlichen Professor für Experimentalphysik bestellt, dessen Hauptarbeitsgebiet die Spektroskopie war. Seine Arbeiten waren kennzeichnend für jene Zeit, in der es galt, auf diesem Gebiet der Physik experimentelles Material zu sammeln, das in seiner ganzen Breite erst das weitere Verstehen des Atomaufbaus ermöglichte.

Im Jahre 1935 nahm FÜCHTBAUER einen Ruf an die Universität Bonn an, so daß über die Wiederbesetzung des ordentlichen Lehrstuhls für Experimentalphysik an der Universität Rostock neu entschieden werden mußte. Auf dem ersten Platz der Berufungsliste stand PAUL KUNZE (1897-1986), ein Schüler FÜCHTBAUERS. Der Rostocker Rektor schrieb am 20. Juli 1935 an das Ministerium in Berlin: ,,Die Universität Rostock muß den größten Wert darauf legen, daß ihr ein an Haltung und Leistung so bewährter Mann wie der an erster Stelle vorgeschlagene Prof. Kunze erhalten bleibt, und nicht, da er auch von Königsberg auf die Liste gesetzt worden ist, nach auswärts berufen wird.'' Zum 1.4.1936 wurde PAUL KUNZE offiziell als Nachfolger von FÜCHTBAUER zum ordentlichen Professor berufen, zuvor hatte er schon kommissarisch die Institutsleitung inne.

Die Entwicklung der außerordentlichen Professur für Physik an der Universität Rostock und ihre Umwandlung in eine ordentliche Professur für Theoretische Physik ist mit den Namen von RICHARD WACHSMUTH, RUDOLF HEINRICH WEBER, WILHELM LENZ, OTTO STERN, WALTER SCHOTTKY, FRIEDRICH HUND und PASCAL JORDAN verknüpft.

Von Interesse ist sicherlich die nicht so sehr bekannte Tatsache, daß der Nobelpreisträger ALBERT EINSTEIN Ehrendoktor unserer Universität ist. Am Tage der Fünfhundertjahrfeier (12.11.1919) wurde EINSTEIN ,,in Anerkennung der gewaltigen Arbeit seines Geistes'' ehrenhalber der Doktor der Medizin verliehen. Er bedankte sich persönlich beim damaligen Dekan der Medizinischen Fakultät mit den Worten: ,,Ich danke Ihnen herzlich für die Übersendung der von auserlesenem Geschmack zeugenden Urkunde und für Ihren freundlichen Geleitbrief. Die schöne Feier Ihrer ehrwürdigen Universität und die von Herzlichkeit getragene Gastlichkeit, die mir in Rostock zuteil wurde, wird stets eine schöne Erinnerung für mich sein. Mit freundlichen Grüßen an Sie und Ihre Frau Gemahlin, Ihr ergebener A. Einstein.''

Nach der Niederlage des Nationalsozialismus übernahm GÜNTHER FALCKENBERG (1879-1963) im Mai 1945 die kommissarische Leitung des Physikalischen Instituts, dessen Lehrkörper bei Neueröffnung der Universität im Frühjahr 1946 lediglich aus zwei Professoren bestand: GÜNTHER FALCKENBERG als Professor für Angewandte Physik und ERNST LÜBCKE als Professor für Experimentalphysik. Da der Lehrstuhl für Theoretische Physik zunächst nicht besetzt werden konnte, wurde Oberstudiendirektor WILLY DÜKER (1887-1957) mit diesen Vorlesungen beauftragt. Im Oktober 1946 wurde LÜBCKE, der auch die Funktion eines Institutsdirektors ausübte, verpflichtet, eine Tätigkeit in St. Petersburg (damals Leningrad) aufzunehmen. An seine Stelle trat der im November 1946 nach Rostock zurückgekehrte Professor für Experimentalphysik PAUL KUNZE. Der Lehrstuhl für Theoretische Physik wurde schließlich im April 1947 durch den nach Rostock berufenen Professor GUIDO SZIVESSY (1885-1948) besetzt. Das Geschehen am Physikalischen Institut ist in der Phase der Neueröffnung maßgeblich von den genannten Lehrkräften bestimmt worden.

1949 wurde mit HANS FALKENHAGEN (1895-1971) eine Persönlichkeit auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik berufen, die eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Elektrolytforschung war. Nach Gründung des Instituts für Theoretische Physik im Jahre 1951 erfolgte eine Ausweitung der Arbeiten. HANS FALKENHAGEN legte stets großen Wert auf ein gutes Zusammenwirken zwischen theoretischen und experimentell arbeitenden Physikern. So war es nur logisch, daß an seinem Institut nicht nur theoretisch geforscht, sondern auch eine experimentelle Abteilung aufgebaut wurde. Diese Entwicklung spiegelte sich auch im Personalbestand des Instituts wider. Gehörten 1951 insgesamt sechs Mitarbeiter zum Institut für theoretische Physik, so waren es 1967 bereits 23.

PAUL KUNZE, Direktor des Physikalischen Instituts von 1935 bis 1958, erforschte die kosmische Strahlung mittels Nebelkammerexperimenten. Er entwickelte eine Apparatur, die außerordentlich scharfe Spuren lieferte und bei der der störende Einfluß der Spurenverbreiterung durch fallende Nebeltröpfchen vermieden wurde. 1933 veröffentlichte KUNZE die Aufnahme einer Doppelspur, und zwar die dünne Spur eines Elektrons und die eines wesentlich stärker ionisierenden positiven Partikels. Später identifizierte der Amerikaner C.D. ANDERSON dieses Teilchen als positives Elektron (Positron) und bekam dafür 1936 den Nobelpreis für Physik. Da der seit den fünfziger Jahren geplante Neubau des Physikalischen Instituts nicht realisiert wurde, nahm PAUL KUNZE schließlich einen Ruf an die neugegründete Fakultät für Kerntechnik an der Technischen Hochschule Dresden an.

Ab 1958 lag die Leitung des Physikalischen Instituts in den Händen von Gerhard Becherer (geb. 1915), der in diesem Jahr auf den durch den Fortgang von PAUL KUNZE vakanten Lehrstuhl für Experimentalphysik berufen worden war. In den Folgejahren konzentrierten sich die Forschungsarbeiten zunehmend auf festkörperphysikalisch ausgerichtete Themen. Aus Halle brachte Gerhard Becherer die Röntgenstrukturanalyse nach Rostock, ein von ihm initiierter Forschungsschwerpunkt waren Untersuchungen der Struktur von amorphen Festkörpern, insbesondere von Gläsern, mittels Röntgenbeugungsmethoden. Es erfolgte weiterhin eine Erforschung der elektrischen Eigenschaften von Halbleiteroberflächen und Grenzschichten. Die experimentellen Arbeiten zu Transportprozessen in elektrolytischen Lösungen wurden weitergeführt und auf amorphe Festkörper ausgedehnt. Die theoretische Forschung, insbesondere unter GÜNTER KELBG (1922-1988) und Werner Ebeling (geb. 1936), befaßte sich mit einer Weiterentwicklung der Methoden der statistischen Mechanik von Vielteilchensystemen mit Coulombwechselwirkung. Im Vordergrund standen dabei Anwendungen auf Elektrolyte und Ionen- sowie Festkörperplasmen. Erweiterungen der Vielteilchentheorie auf subatomare Systeme (Kernmaterie, Quark-Gluon-Plasma) wurden seit 1982 durch Gerd Röpke (geb. 1941) untersucht.

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Eine der im Zuge der III. Hochschulreform der DDR durchgeführten Maßnahmen war die Gründung von Sektionen. Darin kam die Absicht zum Ausdruck, die Konzentration und Profilierung der Arbeit aller Wissenschaftler und Mitarbeiter eines Fachgebietes unter einer staatlichen und Parteileitung vorzunehmen. Wesentliche Prämissen für die Gründung der Sektion Physik wurden durch zentrale Anordnungen und deren Umsetzung in der SED-Parteiorganisation gegeben. Die Entscheidung ging dahin, in die zu gründende Sektion das Physikalische Institut, das Institut für Theoretische Physik und die Abteilung Methodik des Physikunterrichts, die lange Zeit, zuletzt geleitet von Werner Karsten (geb. 1926), Bestandteil des Instituts für Pädagogik der Philosophischen Fakultät war, einzugliedern. Die Form der Leitung war fest vorgegeben: Sektionsdirektor mit dem stellvertretenden Sektionsdirektor für Erziehung und Ausbildung, dem stellvertretenden Sektionsdirektor für Forschung sowie einem Verwaltungsleiter; weiterhin wurde die Stelle des Wissenschaftlichen Sekretärs zur Unterstützung der Sektionsleitung in allen Detailfragen der Planung, Leitung und Organisation eingerichtet.

Die durch die Parteileitung erarbeiteten Statuten der Sektion wurden dem Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen zugeleitet und fanden dort ihre Bestätigung. Am 30. April 1968 wurde dann formal der Antrag auf die Gründung der Sektion beim Staatssekretär für das Hoch- und Fachschulwesen gestellt und nach Genehmigung dem damaligen Rektor der Universität Rostock der Vollzug der Gründung übertragen. Aufgrund dieser Vollmacht ist die Sektion Physik am 16. Juli 1968 ins Leben gerufen worden. An diesem Tage erhielt Sektionsdirektor GÜNTER KELBG die Gründungsurkunde aus der Hand des Rektors. Zum gleichen Zeitpunkt wurden die genannten Institute aufgelöst und die Physik in fünf Wissenschaftsbereiche gegliedert. Die Gründungsversammlung der Sektion Physik fand am 30.10.1968 im Großen Physikalischen Hörsaal statt.

Die in den 70er Jahren erzwungene Hinwendung der Forschungsarbeiten der Physik auf Probleme der Praxis drückte sich beispielsweise darin aus, daß einem Vertreter der Vereinigung Volkseigener Betriebe ,,Bauelemente und Vakuumtechnik'', mit der der größte Teil der Forschungskapazität der Sektion vertraglich gebunden war, im Sektionsrat Sitz und Stimme eingeräumt wurde. Der von der Universitätsleitung und Bezirksleitung der SED geforderten Eingliederung der Forschungskapazität der Sektion Physik in den Großforschungsverbund ,,Seewirtschaft'' konnte mit Mühe widerstanden werden. Im weiteren Verlauf der Entwicklung wurde die experimentelle Forschung der Physik immer mehr in den Dienst der ,,Mikroelektronik'' gestellt; eine Profilierung auf ein für die ,,kleine'' DDR zu ,,großes'' Thema.

Ab Herbst 1989 vollzog sich mit Unterstützung ihrer Mitarbeiter die Umwandlung der Sektion Physik in den Fachbereich Physik. Die Leitung übernahm ein Fachbereichsrat, bestehend aus gewählten Vertretern der vier Statusgruppen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studenten und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter. Nach außen wird der Fachbereich durch einen Sprecher vertreten.

Im September 1991 erfolgte die Angliederung der Abteilungen für Physik der Außenstellen Güstrow und Warnemünde/Wustrow an den Rostocker Fachbereich Physik, wodurch neue Forschungsgebiete wie Polymerphysik, Theoretische Halbleiterphysik und Quantenoptik in Rostock angesiedelt wurden. Ergänzt und erweitert wird das Spektrum der am Fachbereich bearbeiteten Forschungsthemen gegenwärtig durch mehrere Neuberufungen sowie durch die an den An-Instituten der Universität (Institut für Ostseeforschung in Warnemünde und Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn) vertretenen Fachgebiete.


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